052 CIAHAD

052 CIAHAD

Umbau Ferienhaus

Blickt man von der luftigen Veranda aus 1800 Meter Höhe über Meer in das Tal, ist es, als würde man über die Bündner Berglandschaft fliegen. Auf Terra Grischuna ist man dem Himmel nah. Die Abgeschiedenheit, der Weitblick prägen diesen Ort mit den Strickbauten aus dem 17. Jahrhundert und schaffen eine behagliche Atmosphäre.

Das Ferienhaus CIAHAD, das sich auf dem Hügel von den anderen Bauten in der Nachbarschaft abhebt, gibt sich unbeeindruckt von der Entwicklung Arosas: Eine Kleingemeinde die erst zu einem Kurort wurde, schliesslich zu einem lebhaften Tourismusort mit kühner, moderner Architektur, der heute bloss noch spröden Charme versprüht.

Das Haus CIAHAD lädt seit jeher zum Verweilen ein. Nach einer alten Anekdote sollen sich Wanderer mit jener Selbstverständlichkeit vor das Haus gesetzt haben, wie sie es in einem Gasthaus tun würden. Die Mutter des Bauherrn versorgte sie mit Getränken. Und liess sie im Glauben, das Haus sei tatsächlich ein Gasthaus. So falsch lagen die Wanderer nicht, verbirgt sich hinter dem Namen CIAHAD doch gerade diese Bedeutung. Die Abkürzung CIAHAD, Englisch ausgesprochen, steht für «Come In And Have A Drink». Der Urgrossvater des Bauherrn aber hatte eine andere Intention, als er das Haus so nannte. Er war einst Anwalt des Shahs von Persien und besass ein Haus in Teheran. Der Name des Hauses in Arosa, das er 1930 kaufte, sollte demnach einen persisch klingenden Namen haben: schliesslich kam er auf CIAHAD.

Das Ferienhaus prägen noch ältere Geschichten. Das einstige Bauernhaus wurde bereits im 19. Jahrhundert als Feriendomizil genutzt. Die zahlreichen Umbauten über die Jahrzehnte fügten dem Haus immer mehr Schichten und Materialien zu. Unser Eingriff entfernte diese Schichten bis auf die solide, hölzerne Grundstruktur und fügte wiederum eine neue Schicht hinzu.

Wir haben die bestehende Kammerstruktur beibehalten, aber die Funktion der einzelnen Räume verändert. Aus dem einstigen Schweinestall, wo sich eine ungeheizte Küche befand, ist jetzt eine kleine Einliegerwohnung mit einem Schlafraum, Bad und Bibliothek geworden. Die Küche wiederum wurde an ihrem ursprünglichen Ort situiert: in die Mitte des Hauses.

Zwei neue Einbauten, wir nannten sie «Burschen», artikulieren die Räume. Ihre räumliche Wirkung verweist an die historischen Bündner Specksteinöfen, welche wie Elefanten in den getäfelten Stuben stehen. Der erste «Bursche» ist ein Specksteinofen, der zwischen der Küche und dem Wohnzimmer steht und die beiden Räume heizt. Der zweite «Bursche» ist die Dusche und die Sanitärverteilung. Die beiden Einbauten verkörpern sozusagen die historischen und die neuen haustechnischen Installationen.

Die vier Räume im Erdgeschoss bilden eine Enfilade. Ihre topografische Eigenheit prägen das Haus. Jeder Raum liegt auf einem anderen Niveau, jeweils zwei Stufen tiefer als der vorangehende, so geht es durch jeden Raum weiter abwärts. Die Wandtäfelung verdeutlicht die verschiedenen Niveaus der Räume. Die horizontale Linie im Täfelungsbild durchzieht das Haus wie die Linie eines Pegelstands.

Die Täfelung aus Birkensperrholz haben wir mit unterschiedlich geölten Sperrholztafeln neu interpretiert und somit aufgewertet. Sie unterscheidet sich von der einfachen Wandverkleidung, die sich früher in den untergeordneten Räumen von Bediensteten fand. Die Art wie die Täfelung geölt und verlegt ist, komplettiert das Muster der Täfelung im Wohnzimmer, die in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten wurde. Mit der Raumtäfelung und den «Burschen» haben wir zwei typische Elemente der Raumtypologie des Bündner Strickbaus integriert.

Der Umbau offenbarte uns Schicht um Schicht die Geschichte des Hauses. Auf der Veranda etwa kam die ehemalige Aussenwand hervor, nachdem wir eine Verkleidung herausgenommen hatten. Ebenfalls entdeckten wir dort ein Fenster. Im Wohnzimmer fanden wir auf dem alten, freigelegten Riemenboden die Spuren der Nagelschuhe, die dort früher jeweils unter Anstrengung im Sitzen angezogen wurden.

In diesem Sinne hat der Umbau von CIAHAD dessen Geschichte hervorgebracht und das Wesen des Strickbaus wiederbelebt.

 

 

Team
Marianne Baumgartner
Luca Camponovo
Axel Chevroulet

 

Projekt
Umbau denkmalgeschütztes Haus in Arosa

2018-2019

Bauingenieur/Bauphysik
Peter Braun, normal office, Fribourg

Fotos
Walter Mair
Axel Chevroulet
Barbara Gmür

Hund
Pepe

Umbau Ferienhaus

Blickt man von der luftigen Veranda aus 1800 Meter Höhe über Meer in das Tal, ist es, als würde man über die Bündner Berglandschaft fliegen. Auf Terra Grischuna ist man dem Himmel nah. Die Abgeschiedenheit, der Weitblick prägen diesen Ort mit den Strickbauten aus dem 17. Jahrhundert und schaffen eine behagliche Atmosphäre.

Das Ferienhaus CIAHAD, das sich auf dem Hügel von den anderen Bauten in der Nachbarschaft abhebt, gibt sich unbeeindruckt von der Entwicklung Arosas: Eine Kleingemeinde die erst zu einem Kurort wurde, schliesslich zu einem lebhaften Tourismusort mit kühner, moderner Architektur, der heute bloss noch spröden Charme versprüht.

Das Haus CIAHAD lädt seit jeher zum Verweilen ein. Nach einer alten Anekdote sollen sich Wanderer mit jener Selbstverständlichkeit vor das Haus gesetzt haben, wie sie es in einem Gasthaus tun würden. Die Mutter des Bauherrn versorgte sie mit Getränken. Und liess sie im Glauben, das Haus sei tatsächlich ein Gasthaus. So falsch lagen die Wanderer nicht, verbirgt sich hinter dem Namen CIAHAD doch gerade diese Bedeutung. Die Abkürzung CIAHAD, Englisch ausgesprochen, steht für «Come In And Have A Drink». Der Urgrossvater des Bauherrn aber hatte eine andere Intention, als er das Haus so nannte. Er war einst Anwalt des Shahs von Persien und besass ein Haus in Teheran. Der Name des Hauses in Arosa, das er 1930 kaufte, sollte demnach einen persisch klingenden Namen haben: schliesslich kam er auf CIAHAD.

Das Ferienhaus prägen noch ältere Geschichten. Das einstige Bauernhaus wurde bereits im 19. Jahrhundert als Feriendomizil genutzt. Die zahlreichen Umbauten über die Jahrzehnte fügten dem Haus immer mehr Schichten und Materialien zu. Unser Eingriff entfernte diese Schichten bis auf die solide, hölzerne Grundstruktur und fügte wiederum eine neue Schicht hinzu.

Wir haben die bestehende Kammerstruktur beibehalten, aber die Funktion der einzelnen Räume verändert. Aus dem einstigen Schweinestall, wo sich eine ungeheizte Küche befand, ist jetzt eine kleine Einliegerwohnung mit einem Schlafraum, Bad und Bibliothek geworden. Die Küche wiederum wurde an ihrem ursprünglichen Ort situiert: in die Mitte des Hauses.

Zwei neue Einbauten, wir nannten sie «Burschen», artikulieren die Räume. Ihre räumliche Wirkung verweist an die historischen Bündner Specksteinöfen, welche wie Elefanten in den getäfelten Stuben stehen. Der erste «Bursche» ist ein Specksteinofen, der zwischen der Küche und dem Wohnzimmer steht und die beiden Räume heizt. Der zweite «Bursche» ist die Dusche und die Sanitärverteilung. Die beiden Einbauten verkörpern sozusagen die historischen und die neuen haustechnischen Installationen.

Die vier Räume im Erdgeschoss bilden eine Enfilade. Ihre topografische Eigenheit prägen das Haus. Jeder Raum liegt auf einem anderen Niveau, jeweils zwei Stufen tiefer als der vorangehende, so geht es durch jeden Raum weiter abwärts. Die Wandtäfelung verdeutlicht die verschiedenen Niveaus der Räume. Die horizontale Linie im Täfelungsbild durchzieht das Haus wie die Linie eines Pegelstands.

Die Täfelung aus Birkensperrholz haben wir mit unterschiedlich geölten Sperrholztafeln neu interpretiert und somit aufgewertet. Sie unterscheidet sich von der einfachen Wandverkleidung, die sich früher in den untergeordneten Räumen von Bediensteten fand. Die Art wie die Täfelung geölt und verlegt ist, komplettiert das Muster der Täfelung im Wohnzimmer, die in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten wurde. Mit der Raumtäfelung und den «Burschen» haben wir zwei typische Elemente der Raumtypologie des Bündner Strickbaus integriert.

Der Umbau offenbarte uns Schicht um Schicht die Geschichte des Hauses. Auf der Veranda etwa kam die ehemalige Aussenwand hervor, nachdem wir eine Verkleidung herausgenommen hatten. Ebenfalls entdeckten wir dort ein Fenster. Im Wohnzimmer fanden wir auf dem alten, freigelegten Riemenboden die Spuren der Nagelschuhe, die dort früher jeweils unter Anstrengung im Sitzen angezogen wurden.

In diesem Sinne hat der Umbau von CIAHAD dessen Geschichte hervorgebracht und das Wesen des Strickbaus wiederbelebt.

 

 

Team
Marianne Baumgartner
Luca Camponovo
Axel Chevroulet

 

Projekt
Umbau denkmalgeschütztes Haus in Arosa

2018-2019

Bauingenieur/Bauphysik
Peter Braun, normal office, Fribourg

Fotos
Walter Mair
Axel Chevroulet
Barbara Gmür

Hund
Pepe

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